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Thursday, December 24, 2015

Little Star (Shine On Us Tonight)

(Scroll down for English version)

Weil es nun mal wieder diese Jahreszeit ist: Lea & Chess singen "Little Star (Shine On Us Tonight)". 




Ein wunderbarer Weihnachtsohrwurm, aufgenommen von Joe Meek in seinem Schlafzimmerstudio in der Londoner Holloway Road 304, dem Klang nach wohl um 1964. Eine Nummer aus Meeks Nachlass, nie auf Platte erschienen (wie man am Einzählen hört), enthält aber alles, was Meek an Verzerrungen, Übersteuerungen, Kompression bis zum Gehtnichtmehr, "heavenly choir", Kathedralhall und Speed-Up-Effekten in seinem Zauberkasten hatte.

Welche Band hier spielt — keiner weiß es genau, es dürften aber mit ziemlicher Sicherheit The Outlaws gewesen sein. Wäre dem so, dann wäre Ritchie Blackmore an der Gitarre dabei.

Wer den Song geschrieben hat, ist auch nicht so ganz geklärt, wahrscheinlich aber war es Meek selbst, für mich jedenfalls klingen Melodie und Text sehr nach ihm. Am Klavier hören wir in jedem Fall Joes Hauspianisten Geoff Goddard. Da bin ich mir ganz sicher.


Und Lea & Chess, die Sängerinnen? Lange Zeit wusste niemand, wer hinter diesen Namen steckte. Nun denn also, dies dürften sie gewesen sein:



Maggie Stredder und Gloria George, in Musiker- und Produzentenkreisen damals wohlbekannt unter dem Namen The Ladybirds

Sie waren ein sehr aktives Backup-Duo, ihr wohl prominentester Einsatz dürfte der Backup-Gesang auf Jimi Hendrix' "Hey Joe" gewesen sein. Joe Meek hat die Ladybirds immer mal wieder zu Studiosessions für seinen legendären "heavenly choir" angeheuert. 

Meek produzierte mit den beiden auch die Titel "Dumb Head", die Coverversion eines amerikanischen Originals von Ginny Arnell, und "Boy Trouble", ursprünglich von den Rev-Irons aufgenommen. Diese Tracks erschienen unter dem Namen The Sharades. Beide floppten, aber immerhin: Es gab sie auf Platte. Nicht ganz klar ist, ob Meek die beiden auch noch als Flip & The Dateliners ins Rennen schickte; den Song "Mama Didn’t Lie" haben sie zwar aufgenommen, er blieb aber ebenso unveröffentlicht wie der "Little Star".

Wie auch immer: Joe Meek shall inherit the Earth. Auch 2016.

Little Star, you've seen it all
Cities rise and cities fall
Oh shine on us tonight!

Schöne Feiertage!



(Dieser Blogeintrag wurde zuerst veröffentlicht auf manafonistas.de)



*


Because it's this time of the year: Lea & Chess sing "Little Star (Shine On Us Tonight)". 




Wonderful Christmas ear candy, recorded by Joe Meek in his bedroom studio at London's Holloway Road 304, as the sound suggests, probably around 1964. It's a number from Meek's estate, never released on a record (as the counting-in shows), but it has all the distortions, clippings, compression until the cows come home, "heavenly choir", cathedral reverb and speed-up effects Meek had in his magic toolbox.

Which band is playing here — nobody knows for sure, but in all probability it should be The Outlaws. Would this be true, then the guitarist is Ritchie Blackmore.

It's also not quite clear who wrote this song, but I'm quite sure it was Meek himself, at least for me melody and lyrics sound very much like him. The piano player, however, is Joe's in-house pianist Geoff Goddard. I'm very sure about that.

And Lea & Chess, the singers? Long time nobody knew who was hidden behind these names. Well then, in all probability here they are:



Maggie Stredder and Gloria George, at the then time well-known by musicians and producers as The Ladybirds

They were very active as a backup duo, their probably best known entry are the backup vocals on Jimi Hendrix' "Hey Joe". Joe Meek hired the Ladybirds from time to time as his legendary "heavenly choir" for recording sessions. 

With the two of them Meek also produced the tunes "Dumb Head", the cover version of an American original by Ginny Arnell, and "Boy Trouble", originally recorded by The Rev-Irons. These tracks were released under the name The Sharades. Both flopped, but at least they made it onto a record. It might be that Meek also tried to set them up as Flip & The Dateliners, but this is unclear; they recorded the song "Mama Didn’t Lie", but it remained unreleased -- as well as "Little Star".


However: Joe Meek shall inherit the Earth. Also in 2016.

Little Star, you've seen it all
Cities rise and cities fall
Oh shine on us tonight!

Happy Holidays!



(this blog entry was first published on manafonistas.de)


Monday, December 21, 2015

Medienphrasen 2015

Alle Jahre wieder: Abgedroschene und sinnentleerte Dauerphrasen in deutschen Medien.


  • Schwarze Null
  • rechtspopulistisch
  • nachhaltig
  • schillernde Persönlichkeit
  • mit vielen Gesichtern
  • forderte x Tote
  • Wertschätzung
  • legendär/Legende
  • kein Ponyhof
  • Sondierungsgespräche
  • Kellerduell
  • grünes Licht
  • zeitnah
  • Urgestein
  • mit Hochdruck
  • absegnen
  • Zeichen stehen auf Sturm
  • gebetsmühlenartig
  • auf einem guten Weg
  • Hinter. Jedem. Wort. Ein. Punkt.
  • nicht schlecht staunen
  • völlig falsches Signal
  • Willkommenskultur
  • Asylkritiker
  • liest sich wie ein Who's Who
  • Leuchtturmprojekt
  • fiebern, mitfiebern, im X-Fieber
  • durchgewinkt
  • geschockt
  • sagte gegenüber
  • schallende Ohrfeige
  • die Kuh vom Eis holen
  • Wetterchaos
  • Quecksilber steigt/fällt
  • wie durch ein Wunder
  • oh man
  • volle Härte des Rechtsstaates
  • schwere Verwüstung
  • kein Blumentopf zu gewinnen
  • Wir müssen reden
Letzteres dann ganz sicher auch wieder nächstes Jahr.

Saturday, December 19, 2015

Harmonia - live 1975


(Scroll down for English version)

Im Fernsehen läuft an diesem Abend Sie kamen von jenseits des Weltraums. Im Kulturzentrum „Fabrik“ in Hamburg-Altona spielt Harmonia. Diese Band kommt nicht von jenseits des Weltraums, sondern aus dem Dörfchen Forst im Weserbergland, aber das ist für die meisten Hamburger so ziemlich dasselbe. Und auch, wenn der Name eher an einen volkstümlichen Gesangverein denken lässt: Die Musik von Harmonia ist utopischer als der Film.

Harmonia gehört zu jenen Bands, die vor ihren Auftritten nicht genau wissen, was sie spielen werden. Das kann zu endlosem Genudel führen, es kann aber auch hypnotische Momente erzeugen, wie sie nur aus dem freien Zusammenspiel heraus entstehen können. An diesem Abend des Jahres 1975 funktioniert es.

Weil die Gestalt des alten Fabrikgebäudes es anbietet, spielt die Band auf zwei Ebenen. Links vor der Bühne Michael Rother mit seiner leopardenfellgemusterten Fender Mustang, die vormals dem Kraftwerker Florian Schneider gehört hat. Rechts Hans-Joachim Roedelius an seinem Elektronikturm. Oben auf der Bühne das Markenzeichen der Band, der Sonnenschirm mit den bunten Glühbirnchen. Unter dem Schirm Dieter Moebius, auch er gebietet über eine Elektronikburg. Und ein Schlagzeug steht auf der Bühne. Das kommt aber erst in der zweiten Hälfte des Abends zum Einsatz. DeLuxe, die zweite LP der Band, ist gerade erschienen, und auf ihr trommelt als Gast Guru Guru-Schlagzeuger Mani Neumeier. Der kann an diesem Abend nicht dabeisein, Lutz Oldemeier nimmt seine Stelle ein. Oldemeier kommt eigentlich aus einer anderen musikalischen Ecke, von den Jazzrockern Aera und Missus Beastly, aber seine Spielweise fügt sich auch in die Musik von Harmonia ein. Der Dämpfung wegen ist sein Schlagzeug mit weißen Tüchern abgedeckt. Ein alter Trick, den auch Ringo Starr schon draufhatte. Harmonia nämlich spielt leise – so leise, dass das ungedämpfte Instrument unangenehm aus dem Klangbild herausfallen würde. Einzig im Schlussstück des regulären Teils zieht die Band ihre Lautstärke für ein paar Augenblicke kräftig an.

In der Zugabe spielt Harmonia dann wieder etwas Leises: „Es war einmal“ vom Cluster-Album Sowiesoso. Wie immer zu fortgeschrittener Stunde in der „Fabrik“ vermischen sich die Klänge der Musik zunehmend mit dem Klirren der auf dem Boden abgestellten Biergläser, die von umherwandernden Zuschauern umgestoßen werden.

Eine vom Publikum geforderte weitere Zugabe gibt es nicht, statt dessen ruft Roedelius zur allgemeinen Erheiterung in den Raum: „Macht ihr doch mal was!“ Aus den Hauslautsprechern tönt Lou Reeds Transformer, die Platte, die hier allabendlich signalisiert: Wir möchten jetzt Feierabend machen.

Es sind nicht viele Zuschauer da an diesem Abend, vielleicht 50 oder 60. Immerhin ein paar mehr als die legendären 16, die auf dem Album Live 1974 das Publikum bilden. Und auch, wenn ich mich nach den vier Jahrzehnten, die das alles jetzt her ist, an viele Details nicht mehr erinnern kann: Das Konzert als Ganzes ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben. Es gibt nicht viele Konzerte, von denen ich das sagen könnte.

(Gesendet in "Klanghorizonte", 
Deutschlandfunk, 19. Dezember 2015)



*



Tonight, They Came From Beyond Space is shown on German TV. In the communication center "Fabrik" in Hamburg's neighborhood of Altona, Harmonia plays. This band does not come from beyond space but from a tiny little village named Forst in the Weserbergland area in Lower Saxony, but for most citizens of Hamburg this is no big difference anyways. And may the name remind to a folksy choral society: The music of Harmonia for sure is more utopian than the movie.

Harmonia is one of those bands who don't know exactly what they will play when they take the stage. Sometimes this results in endless ramblings, but it can also lead to hypnotic moments that can only be produced by free interaction. On this evening in 1975 it works. 

Because the shape of the old factory building suggests it, the band plays on two levels. On the left side in front of the stage there's Michael Rother with his leopard-spotted Fender Mustang that formerly was owned by Kraftwerk member Florian Schneider. On the right side Hans-Joachim Roedelius at his tower of electronic devices. Onstage there's the trademark of the band, the parasol with several colored light bulbs. Under this parasol, Dieter Moebius reigns over a castle of electronics. And a drum kit is put up on the stage, but it will be used not before the second half of the evening starts. DeLuxe, the second album of Harmonia, has just been released, and guest musician Mani Neumeier plays the drums on it. As he can't join the band this evening, Lutz Oldemeier takes his place. Actually, Oldemeier comes from a different musical area, from jazz rockers Aera and Missus Beastly, but his style fits well into the music of Harmonia. For cushioning reasons his kit is covered with white cloth. An old trick, even Ringo Starr already knew how to make use of it. It's done because Harmonia plays on a low volume -- so low that the sound of the uncovered drums would too much step out of the line. Only at the final of their last regular track the band pumps up the volume for a couple of moments.

The encore is soft again: "Es war einmal", from the Cluster album Sowiesoso. As always when it gets later at the "Fabrik", the sounds of the music mingle more and more with the sounds of smashing beer glasses, tipped over by spectators walking around. 

The audience wants a second encore, but instead of playing another track, Roedelius, to the amused pleasure of the audience, shouts out: "I think it's your turn now!" Over the in-house PA system, Lou Reed's Transformer starts, the record that signals on every evening: We would like to clock off now.

There are not many spectators at the "Fabrik" this evening, maybe 50 or 60. At least a couple more than the legendary 16 that were the audience on Harmonia's Live 1974 album. And even if there are many details I can't remember anymore after the four decades this is ago now: The concert as a whole still sticks in my mind. There are not too many concerts I could say that about.

(broadcasted in "Klanghorizonte",
Deutschlandfunk, December 19, 2015)

Wednesday, December 2, 2015

My Albums 2015

 

2015:
 

  • Laurie Anderson: Heart of a Dog
  • William Basinski: Cascade
  • Food: This is not a Miracle
  • Florian Fricke / Popol Vuh: Piano / Kailash – Pilgrimage to the Throne of Gods
  • Gov’t Mule feat. John Scofield: Sco-Mule
  • Harmonia: Documents ’75
  • Mette Henriette: Mette Henriette
  • Terry Riley: Sunrise of the Planetary Dream Collector (Kronos Quartet)
  • David Torn: Only Sky

Rediscovered:
  

  • Blue Chip Orchestra: Blue Danube – Donau so blau (1991)
  • Helmut Lachenmann: Das Mädchen mit den Schwefelhölzern (2002)
  • Lightwave: Nachtmusik (1990)
  • Detlev Müller-Siemens: Under Neonlight II (1985)
  • Sir Douglas Quintet: Sir Douglas Quintet is back! (1962-64)
  • Wolfgang: Aus Abrahams Bude (1971)

Friday, November 27, 2015

Ein vergessenes Buch


"Ich habe ein Rückflugticket", sagte Iolanda. Und in ihren Augen stand das, was in den Augen aller steht, die entschlossen sind wegzugehen: Lieber sterbe ich, als dass ich mit leeren Händen zurückkehre.


So heißt es auf der Umschlagrückseite. Ich muss das Buch vor wohl ungefähr zehn Jahren irgendwo im Ramsch gefunden haben. Es kann kaum länger als ein Jahr auf dem Markt gewesen sein. Und das ist schade, es ist nämlich gut.

1967 wurde Luigi Tenco, ein cantautore, wie die Liedermacher oder Singer/Songwriter im Gefolge Dylans in Italien genannt wurden, von seiner Plattenfirma in den Schlagerwettbewerb von San Remo geschickt. Sein Lied: "Ciao amore, ciao". Das war nicht, wie man vermuten könnte, eine der üblichen canzone, es ging um Emigranten -- um die Gefühle von Menschen, die, oft der Not gehorchend, ihre Heimat verlassen mussten oder wollten. 

Es gab in diesem Jahr eine Besonderheit in San Remo: Alle Songs wurden in einem zweiten Durchgang von einem anderen Interpreten gesungen. Die Plattenfirma spannte dafür Tenco mit der Sängerin Dalida zusammen, die das Lied in der zweiten Wettbewerbsrunde singen sollte. In den Monaten der Vorbereitung auf die Show verliebten sich die beiden ineinander. Und als Ägypterin, die in Italien aufwuchs und in Frankreich zum Star wurde, wusste Dalida, was Emigration bedeutet. 

Luigi Tenco fiel mit seinem Vortrag glatt durch. Er war ein Sänger, der in Clubs und Kneipen gehörte, nicht vor ein solches Massenpublikum. Er wusste es wohl selbst. Dalida, die das Lied im zweiten Durchgang interpretierte, erntete dagegen Ovationen bereits nach dem ersten Refrain. 

San Remo war einer der korruptesten Schlagerwettbewerbe überhaupt. Eigentlich wusste das jeder, aber wer kann schon sagen, wie er darauf reagiert, wenn es ihn selber trifft ... Mochten Zuschauer und Publikumsjury auch toben, die Fachjury wollte es anders, und auf sie kam es an. Sie verwies "Ciao amore, ciao" auf den letzten Platz, und Luigi Tenco erschoss sich nach dem Wettbewerb in seinem Hotelzimmer.

Tenco muss Dalidas große Liebe gewesen sein. Bis zu ihrem eigenen Suizid 1987 trug sie seine für sie eigentlich viel zu große Armbanduhr, die er ihr geschenkt hatte, und sie bestand darauf, dass sein Name in einem ihrer Songs verewigt wurde: "Gigi l'amoroso". Den hat wirklich jeder mal gehört.


Der Schweizer Autor Franco Supino stellt die Katastrophe von San Remo in seinem Roman minutiös nach. Aber das ist nur der Aufhänger. Um San Remo herum verknüpft er sehr geschickt die (Auswanderer-)Schicksale Dalidas, Tencos und ihrer Vorfahren über mehrere Generationen hinweg miteinander, was ihn zu Reflektionen über den Lebensweg seiner eigenen Familie und letztlich über sich selbst führt. Dabei wechselt der Stil durch verschiedene Orts- und Zeitebenen und Erzählperspektiven von der klassischen Romanform über die Ich-Erzählung bis hin zur Reportage, in der der Autor selbst als Rechercheur vor Ort auftritt. Das ist zunächst ein bisschen verwirrend, erweist sich aber, wenn man das Prinzip einmal begriffen hat, als sehr einleuchtend.

Der Name Luigi Tenco taucht im Buch nie auf, er heißt hier "Luigi Mai". Auch der Name Dalida fällt nie, sie heißt "Iolanda" -- nicht mal mit dem korrekten Y (Yolanda Christina Gigliotti), sondern mit I. Der Grund dafür dürfte wohl Orlando sein, Dalidas Bruder, der nicht nur Geschäftsführer ihres Plattenlabels war, sondern auch ihr Manager und ein Prozesshansel erster Ordnung. Er verwaltet bis heute den Nachlass und fährt jedem vor den Karren, der Dalida nicht so darstellt, wie es seiner Vorstellung entspricht. Im Buch heißt er Bruno.

Schon zu Lebzeiten war Dalida eine Art wandelndes Image, und sie hat sich nach einigen Schicksalsschlägen nicht weniger als dreimal selbst neu erfunden. Noch heute kann einem jedes französische Schulkind erklären, wer Dalida war. Trotzdem war über ihr Leben nicht viel bekannt, und das Wenige war im wesentlichen das, was das Management wollte.

Franco Supino nimmt uns mit hinter die Kulissen. Und plötzlich bist du mitten in den 1960er Jahren. Gebraucht ist das Buch wohl noch zu finden. Das Leben ist manchmal ungerecht. Auch das der Bücher.


Franco Supino:
Ciao amore, ciao
Rotpunktverlag, Zürich 2004
ISBN 3-85869-269-7

Wednesday, November 4, 2015

Mette Henriette



(Scroll down for English version, please.)

Mette Henriette Martedatter Rølvåg. Der Name ist so schön norwegisch, den muss man wenigstens einmal voll ausschreiben. Ungewöhnlich genug: Ein ECM-Debut mit einer Doppel-CD, noch dazu mit Fotos von Anton Corbijn. Aber diese Künstlerin, behaupte ich mal, ist es wert.

Die CD 1 ist in einer Triobesetzung mit Saxophon, Cello und Klavier eingespielt, kommt sehr leise, sehr schwebend, fast flüsternd daher. Nachtmusik, das Saxophon mit viel Geräuschanteil, der Atem bestimmt die Spannungsbögen der Stücke. Die CD 2, mit einer 13-köpfigen Band aufgenommen, greift dieses Konzept zwar zunächst auf, steigert sich aber zu einer Intensität, die mich zeitweise fast an Carla Bleys legendäres Escalator over the Hill erinnert. Musik für die „Difficult Listening Hour“ und eine gelungene Synthese von Jazz und Kammermusik. Die Aufnahmen stammen aus den Jahren 2013/14.


Mette Henriette hat Ende 2014 mit der Gruppe Torg und unter der Produzentenhand von Bugge Wesseltoft an dem Album kost/elag/gnäll mitgewirkt (erschienen im September 2015 auf dem norwegischen Jazzland-Label). Dieses Album klingt offener, entspannter, spielerischer als ihr ECM-Album, streckenweise hat es etwas Vergnügtes an sich, was zum Teil wohl auch daran liegt, dass hier auch Gesang zu hören ist. Man stelle sich vor, Kurt Weill würde versuchen, wie Philip Glass zu komponieren und gäbe der Band dazu noch großen improvisatorischen Freiraum — dann  käme wahrscheinlich so etwas wie diese Platte dabei heraus.







Trotz aller Ähnlichkeit der beiden Albumkonzepte ist der Unterschied zwischen Torg und ECM beachtlich. Obwohl die Aufnahmen älter sind, ist das ECM-Album dichter und konzentrierter. Man merkt ganz sicher hier auch die Hand des Produzenten Manfred Eicher. Wenn das ein Hinweis darauf ist, in welche Richtung es weitergehen könnte, dann bleibe ich neugierig.


***






Mette Henriette Martedatter Rølvåg. This name is so wonderfully Norwegian that at least once it has to written out completely. Unusual enough: This is an ECM debut on a double CD, moreover with photos by Anton Corbijn. But this artist, I daresay, is worth it.

CD 1 was recorded with a trio lineup with saxophone, cello and piano and comes along very quiet, very hovering, nearly whispering. Night music, with a softly swooshing saxophone, the breath defines the arc of suspense of the tunes. CD 2 was recorded with a 13-piece band. It picks up the concept of CD 1 for a while, but sometimes rises up to an intensity that reminds in parts to Carla Bley's legendary Escalator over the Hill. Music for the "Difficult Listening Hour" and a well-done synthesis of jazz and chamber music. The recordings were made in 2013/14.


In the end of 2014, Mette Henriette took part in a recording with the band Torg under the production of Bugge Wesseltoft, the album is called kost/elag/gnäll (released in September 2015 on the Norwegian Jazzland label). This album sounds more open, more relaxed and more playful than the ECM album, sometimes it's even a bit jolly. One reason for this is that there are vocals. Imagine Kurt Weill would try to compose like Philip Glass and would give the band a lot of free space for improvisation -- then probably something like this album would be the result.







Although the concept of both albums is similar, there are big differences between them. Even though the recordings are older, the ECM album is more concentrated and compact. For sure this is due to producer Manfred Eicher who is well-known for his ability to create such a session atmosphere. If this might be a hint which direction further recording projects may take, I will remain curious.







Friday, October 30, 2015

Nosferatu & Live Music



NOSFERATU -- A SYMPHONY OF HORROR
Germany 1922, directed by F.W. Murnau


Live score composed and performed by George Sabol

Pittsburgh, Carnegie Lecture Hall, October 29, 2015



(Scroll down for English version)

Halloween steht vor der Tür. Ein passender Anlass, wieder einmal Murnaus wunderbaren NOSFERATU -- EINE SYMPHONIE DES GRAUENS auszugraben. Noch immer ist dies einer der besten je gedrehten Filme überhaupt, und Vorbild für so ziemlich alle späteren Horrorfilme sowieso.

Allerdings nicht, wie gestern abend im Carnegie Museum of Art zu sehen und zu hören, mit Heavy-Metal-Begleitung. Der Pittsburgher Gitarrist George Sabol ist nicht der Erste, der sich an dieser Kombination versucht, auch die New Yorker Doomrocker Type O Negative sind damit schon abgeschmiert.

Grundsätzlich finde ich es immer begrüßenswert, künstlerisch wertvolle Stummfilme auch dadurch lebendig zu halten, dass man sie mit Livemusik begleitet, und Sabol hat das handwerklich durchaus gut hinbekommen. Er spielte zum Halbplayback live verschiedene Gitarren. Nur leider hat er sich für seine Heavy-Metal-Musik einfach den falschen Film ausgesucht. NOSFERATU ist ein leiser, subtiler Film, der bewusst auf grelle Schockeffekte verzichtet. Heavy Metal ist das genaue Gegenteil dessen. Hier zogen sich die Gegensätze nicht an, sondern ergaben Wiener Schnitzel mit Vanillesauce.

Zudem verwendete Sabol, vemutlich aus lizenzrechtlichen Gründen, eine uralte, lieblos zusammengehauene und unrestaurierte US-Version des Films voller Kratzer und Sprünge. Damit kann man dem Film nicht gerecht werden. Die Zwischentitel waren grafisch miserabel gestaltet, ließen keine Unterscheidung zwischen den verschiedenen Zwischentitelarten und den Inserts zu und waren einfach nur verwirrend, streckenweise auch allzu frei aus dem Deutschen übersetzt, etliche fehlten ganz. Der fehlenden Viragen wegen wird auch nicht immer klar, welche Szenen bei Nacht und welche bei Tag spielen. Im Originalfilm gibt es erklärende Zwischentitel, es gibt Dialogtitel und es gibt Inserts aus einer alten Chronik; letztere bildet den erzählerischen Rahmen der Geschichte. In der hier verwendeten Kopie war man sich anscheinend nicht einmal einig, ob der Meister nun eigentlich Nosferatu oder Dracula heißt (tatsächlich heißt er Graf Orlok, aber das wird gleich ganz unterschlagen); auch die Namen der Charaktere waren in die alte Stoker-Benennung zurückübersetzt worden, und es bleibt dadurch ein Rätsel, weshalb eigentlich die Leute in Bremen englische Namen tragen.

Solche veralteten Versionen sollten nicht mehr gezeigt werden, sie vermitteln ein falsches Bild des Films. Wenn also NOSFERATU, dann doch bitte eine sorgfältig rekonstruierte und restaurierte Version wie etwa jene des Filmmuseums München (zu beziehen via Transit-Film). Die hat die neueingespielte originale Orchestermusik von Hans Erdmann, die zu dem Film passt, und sie hat die Viragen, die der Film im Original mit großer Wahrscheinlichkeit hatte. (In den USA und England ist eine adäquate Fassung bei EUREKA erschienen. Sie hat die englischen, korrekt übersetzten und grafisch dem deutschen Original nachgebildeten Zwischentitel.)






Halloween is on the way. A good reason to rediscover Murnau's wonderful NOSFERATU -- A SYMPHONY OF HORROR. It's simply still one of the best movies ever made, and role model for many later horror movies anyways.

But not with Heavy Metal acompaniment, as seen and heard yesterday at the Carnegie Museum of Art. Pittsburgh guitarist George Sabol is not the first one who tried this combination, also the New York doom rockers Type O Negative failed with it already.

In general I think it's always a good thing to keep silents of high artistic value alive by live music accompaniment, and Sabol did it quite well. He played several guitars live to a pre-recorded score. The problem is: For his Heavy Metal music he simply used the wrong film. NOSFERATU is a quiet, subtle film that intentionally abstains from harsh shock effects. And that's exactly the opposite of Heavy Metal. So here the opposites didn't attract, the result was Viennese schnitzel with vanilla sauce.

Besides this, Sabol -- probably due to copyright reasons -- used an age-old, knocked-up and unrestored US version of the movie with scratches and cracks. This doesn't do any justice to the film anymore. The intertitles were graphically miserable, you couldn't recognize the different kinds of intertitles and inserts, and so they were confusing, several of them were translated all too freely from German or missing completely. Because of the missing tintings it's not even clear sometimes which scenes are set at night and which ones at daytime. In the original movie there are explaining intertitles, there are dialogue intertitles, and there are inserts from an old chronicle that establishes the whole frame of the story. In this copy it was not even clear whether the name of The Master is Nosferatu or Dracula (in fact, he's Count Orlok, but that's not even mentioned); also the names of the other characters were translated back into the old Stoker version, and so nobody knows why the people in Bremen have English names.

Dated versions like this one shouldn't be shown anymore; they convey a wrong image of the film. If NOSFERATU, then please a carefully resconstructed and restored version like the one made by Filmmuseum Munich (available via Transit Film, in the U.S. and England via Eureka). It has the newly recorded original orchestral score by Hans Erdmann that matches with the movie, and it has the tintings the film in all probability had in its premiere version, with the correctly translated intertitles which reproduce the original German design. 



Tuesday, October 27, 2015

John Fogerty: Fortunate Son -- My Life, My Music


Wenn dieser Mann nur nicht ein so verteufelt guter Musiker wäre. Dann könnte man den Inhalt dieses Werkes problemlos in die inzwischen einfalls- und konzeptlos dahintreibende TV-Soap „Nashville“ einfügen. So scheinbar unrealistisch ist das alles. Die zweite Hälfte des Buches ist über weite Strecken blanker Kitsch. Dummerweise nur entspricht vieles von dem, was Fogerty schreibt, den Tatsachen, und da für mich sein musikalisches Werk ziemlich idealtypisch alles repräsentiert, was für mich klassische amerikanische Rockmusik ausmacht, ist mir das Buch nicht egal.

John Fogertys Autobiografie, diese Woche auf Rang 15 der New-York-Times-Nonfiction-Bestsellerliste zu finden, ist eine Achterbahnfahrt. Lassen wir mal außen vor, ob er sie selbst geschrieben hat (ein Ghostwriter ist nicht genannt). Manchmal möchte man das Buch einfach nur zuklappen. Aber ähnlich, wie man bei „Nashville“ dann doch nicht abschaltet, so liest man auch hier weiter.

John Fogerty ist mehr als einmal übel mitgespielt worden. Diese Geschichten sollen hier nicht wiedergegeben werden, es würde zu lange dauern. Nur so viel: Die Band, die mal CCR werden sollte, ließ sich 1967 auf einen Plattenvertrag ein, den kein auch nur halbwegs vernünftiges Management abgeschlossen und den jeder halbwegs vernünftige Richter für nichtig erklärt hätte — wegen objektiver Unerfüllbarkeit. Es gab aber kein vernünftiges Management, es gab keinen vernünftigen Anwalt, Fogerty zog es vor, die Dinge selbst zu regeln, und deswegen hat Fantasy-Boss Saul Zaentz Fogerty in filmreifer Blutsauger-Manier jahrzehntelang systematisch vor sich her treiben können, bis die Geschichte schließlich ins Absurde kippte.

Dies alles wird in dem Buch in wahrhaft epischer Breite geschildert. Dazu gibt es einige eher belanglose Kindheits- und Jugendepisoden sowie einige Andeutungen über die Ehe der Eltern. Wirklich in die Tiefe geht Fogerty dabei aber nie, auch über seine Ehe mit Martha erfahren wir im Prinzip nur, dass es sie gab und dass sie irgendwann geschieden wurde. Das eigentlich Auffällige dabei ist auf der einen Seite John Fogertys bisweilen breitärschige Selbstgefälligkeit, und auf der anderen Seite seine offenkundige Unfähigkeit, sich auch nur für eine einzige Minute in die Position anderer hineinzuversetzen. Anregungen anderer kommen bei ihm nur an, wenn sie seiner Ansicht entsprechen. CCR entspricht zu keinem Zeitpunkt Johns Wunschvorstellung von einer verschworenen Gemeinschaft, aber er erkennt nicht, dass er mit seinem eigenen Verhalten dazu beiträgt. Er erkennt in der entnervten Flucht seines Bruders Tom aus der Band nicht das Alarmsignal, das es ist. Toms folgende Soloalben erklärt er pauschal für schlecht, obwohl er wahrlich Musiker genug ist, um es besser zu wissen (immerhin sind sogar Musiker wie Jerry Garcia oder Merl Saunders daran beteiligt, die sich bestimmt nicht mit jedem abgeben). Seine verbliebenen CCR-Mitstreiter Stu Cook und Doug Clifford, die angesichts seiner ständigen Besserwisserei irgendwann rebellisch werden, hält Fogerty für intrigante Volltrottel, denen er überhaupt erstmal beibringen musste, wie man mit Messer und Gabel isst. Nein, die beiden waren keine Virtuosen und sind auch sonst keine Unschuldsengel, und als sie ihr gruppeninternes Stimmrecht für jeweils 30.000 Dollar an Saul Zaentz verkaufen, trifft ihn das tief — verständlicherweise. Dennoch: Unter normalen Umständen hätten sich diese Konflikte lösen lassen. Aber wo John Fogerty ist, da sind die Umstände nicht normal. Der überlässt sich lieber seiner zunehmenden Verbitterung und dem Alkohol. Jahrelang spielt seine eigenen Songs nicht mehr, bis ihn dankenswerterweise Bob Dylan auf offener Bühne quasi dazu zwingt („Wenn du es nicht tust, werden später alle glauben, ‚Proud Mary‘ sei von Tina Turner gewesen“).

Und dazu der immer noch ungelöste Konflikt mit Saul Zaentz und Fantasy Records. Am Ende jagt Zaentz Fogerty in den wohl absurdesten Prozess der Popgeschichte, den Fogerty zum Glück gewinnt. Aber woher das alles kommt: Bei Fogerty kommt es nicht an. Was immer seine Mitmenschen auch tun: Wenn es nicht das ist, was er für richtig hält, dann ist sein Urteil gnadenlos, ob es sein Bruder Tom ist, ob es CCR-Bassist Stu Cook ist (auf den er sich besonders eingeschossen zu haben scheint), ob es der Musikjournalist Ralph J. Gleason ist, ob es wer auch immer ist. Fogerty verehrt alte Blues-Heroen, sein Urteil über Bandkollegen aus der San-Francisco-Szene ist dagegen oft übermäßig hart. Jefferson Airplane und Grateful Dead wirft er vor, sie könnten auf der Bühne nur endloses Genudel, aber keine Songs hervorbringen. Im Fall der Airplanes ist das schlicht falsch, im Fall der Dead scheint er das Konzept der Band nicht verstanden zu haben.

Bis dann endlich Julie die Szene betritt — eine annähernd 20 Jahre jüngere Zufallsbekanntschaft, die Johns große Liebe wird. Aber selbst diese Beziehung gefährdet Fogerty mit Alkohol und erratischem Verhalten. Erst, nachdem Julie das Management ihres Mannes übernimmt und ihr gesamtes Handeln darauf ausrichtet, ihm den Rücken fürs Komponieren und Musizieren freizuhalten, wird eine bis jetzt anscheinend glückliche Ehe daraus. Julie betritt das Buch in Kapitel 15 und schreibt ab dort eigene Textabschnitte, die sie in der 12 CDs umfassenden Hörbuchversion auch selber spricht.

Der Rest des Buches ist dann eitel Sonnenschein.

Fogerty ist, wen wundert’s, kein großer Autor. Aber darauf kommt es bei einem Buch wie diesem nicht an. Wer den Menschen John Fogerty und seine Sicht der Dinge näher kennenlernen möchte, wird aus diesem Buch eine Menge über ihn erfahren — das meiste allerdings zwischen den Zeilen. Die Geschichte der großen Hits, seine musikalischen Vorbilder, seine Liebe zur Countrymusik, seine etwas seltsamen Ansichten zum Thema Politik und Waffenbesitz (er trat mehrfach für die Demokraten auf, scheint aber dennoch zu glauben, dass die US-Regierung nur deshalb im Zaum gehalten werden kann, weil sie weiß, dass das Volk bewaffnet ist — die NRA wird jubeln, wenn sie das liest), das alles ist da und wird durchaus unterhaltsam und gut lesbar geschildert. Die in amerikanischen Star-Biografien sonst unvermeidlichen ellenlangen Krankheitsgeschichten fehlen hier glücklicherweise.

Wer sich allerdings für eine objektivere Darstellung der diversen Sachverhalte um CCR und Fantasy Records interessiert, der scheint mir mit Hank Bordowitz‘ Buch „Bad Moon Rising — The Unauthorized History of Creedence Clearwater Revival“ von 1998 immer noch besser bedient zu sein.

Wenn dieser Mann nur nicht ein so verteufelt guter Musiker wäre.


John Fogerty:
Fortunate Son — My Life, My Music
Little, Brown & Co. 2015
ISBN 978-0316244572

(Dieser Artikel erschien zuerst in Manafonistas.)

Friday, October 23, 2015

A dog's life


Erster Höreindruck: Laurie Anderson macht das, was sie schon immer am besten konnte: Geschichten erzählen.

Heart of a Dog ist der Soundtrack zu ihrem gleichnamigen Film, co-produziert von HBO und Arte, der dieser Tage in ausgewählten US-Kinos erschienen ist. 

Lolabelle, Laurie Andersons verstorbener klavierspielender Rat Terrier, ist der rote Faden. An diesem entlang meditiert die Künstlerin in 27 durchweg eher kurzen Tracks über den Terroranschlag vom 9. September 2001 (mit dem Laurie, wie überhaupt sehr viele Amerikaner, noch immer nicht durch ist), über den Tod ihrer Mutter, über aktuelle politische Themen, über die Absurditäten des Alltags, und überhaupt über Geburt und Tod und alles, was dazwischen ist.

Es gibt nur wenige gesungene Stücke, dafür viel Text, der über musikalische Hintergründe, Klangcollagen und O-Töne gesprochen wird. Zum Soundtrack gehören Ausschnitte aus Laurie Andersons früherem Programm Homeland, aus den Alben Bright Red und Life on a String sowie aus Landfall, ihrer Zusammenarbeit mit dem Kronos Quartet. Einige der Stücke scheinen Livemitschnitte zu sein.

Das letzte Wort hat Lou Reed, dessen „magnificent spirit“ die Platte auch gewidmet ist.


Late Night Music, zum Zuhören.



First listening impression: Laurie Anderson does what she always did best: She's telling stories.

Heart of a Dog is the soundtrack of her film of the same name, co-produced by HBO and German-French TV station Arte, that currently appeared in selected movie theaters in the U.S. 

Lolabelle, Laurie Anderson's late piano-playing rat terrier, is the main subject. Along this leitmotif the artist meditates in 27 predominantly short tracks on 9-11 (as many Americans, Laurie is still not through with it), her mother's passing, current political topics, everyday absurdities -- birth, death and everything between.

There are only few sung tunes on this record, but a lot of words, spoken over musical backgrounds, sound collages and original soundbites. The soundtrack contains excerpts from Laurie Anderson's earlier stage performance Homeland, from her albums Bright Red and Life on a String, as well as from Landfall, her collaboration with Kronos Quartet. Some of the tracks seem to be live recordings.

The last word has Lou Reed, to whose "magnificent spirit" this record is dedicated.

Late night music, for listening.


(The German version of this blog entry was published first on Manafonistas.)



Tuesday, October 13, 2015

Bernd & Hilla Becher

My first contact with their photography was the inner sleeve of the first Kraftwerk album: a transformer that never made it into one of their typologies. 

In a certain way, their work has always been history. Bernd Becher passed away in 2007, now also Hilla Becher is gone. Their photographic art will remain.


Mein erster Kontakt mit der Photographie der beiden war das Innencover der ersten Kraftwerk-LP: ein Trafo, der es anscheinend nie in eine ihrer Typologien schaffte. 

In gewisser Weise war ihr Werk schon immer Geschichte. Bernd Becher verstarb 2007, nun ist auch Hilla Becher gegangen. Ihre Photokunst wird bleiben.





Wednesday, September 30, 2015

Rediscovered - Lightwave: Nachtmusik


25 Jahre hat diese Scheibe auf dem Buckel. Wenn ich nicht irre, habe ich 1990 zur Veröffentlichung einen Pressetext für diese CD geschrieben, fand sie nicht weiter sensationell, und seitdem stand sie unbeachtet bei mir im Regal. Durch Zufall habe ich sie nun wiedergefunden und muss Abbitte leisten. Die Platte ist weit besser als ich sie in Erinnerung hatte.

Lightwave sind die französischen Elektroniker Christoph Harbonnier und Christian Wittmann. Die zwei langen Tracks (23 und 32 Minuten) sind in der Nacht vom 14. auf den 15. Mai 1989 unter Quasi-Livebedingungen im Studio eingespielt worden. Vom alten Modularsynthesizer bis zum Sampler ist alle denkbare damalige Elektronik vertreten. Das Booklet tut so, als sei die Musik mehr oder weniger improvisiert, aber das darf man bezweifeln – dafür sind mir die Stücke und besonders die Klangverläufe einfach zu ausgeklügelt. Das ruhigere „Nachtmusik“ macht den Anfang: Sanfte, scheinbar rhythmuslose Klangwolken, die herein- und vorüberschweben, sich dabei unentwegt verändern, als habe es damals schon den Morphingeffekt gegeben. Das muss sehr genau vorbereitet gewesen sein. Unweigerlich fühlt man sich atmosphärisch an „Plas“, das Auftaktstück des zweiten Cluster-Albums, erinnert, aber in „Nachtmusik“ sind die Klänge fließender und weniger harsch. Das zweite Stück, „Just Another Dream“, ist kantiger. Klare Rhythmen gibt es auch hier nicht, aber die Klänge sind härter, metallischer, fordernder; gelegentlich grüßt Meister Stockhausens „Kontakte“ aus der Ferne. Manchmal hat man das Gefühl, das Stück stehe kurz vor dem Stillstand, aber es geht weiter, zum Teil mit starken Dynamiksprüngen.

Lightwave hat einige weitere Alben veröffentlicht, die ich allerdings nicht kenne, zuletzt wohl 2004. Hintergrund der Veröffentlichung dieses Albums war seinerzeit nicht zuletzt die Tatsache, dass Michel Geiss am Mischpult saß und Erdenklang-Chef Ulrich Rützel über ihn Kontakt zum Team um Jean Michel Jarre bekam. Aber die Platte passte auch ins damalige Labelkonzept. Die CD würde manchem heutigen Laptop-Musiker gut zu Gesicht stehen und wird bei mir in Zukunft mit Sicherheit öfters rotieren.


This record is already 25 years old. If memory serves, I wrote a press release in 1990 for the release of the CD, but I didn't find it very sensational, and so it lived in my shelves since then, unheard and forgotten. Just by chance I rediscovered the record now, and I have to apologize. The record is much better then I remembered.

Lightwave are the French electronics Christoph Harbonnier and Christian Wittmann. The two long tracks (23 and 32 minutes) were recorded under quasi-live circumstances in a studio in the night from May 14 to 15, 1989. Every imaginable kind of electronic of that time is involved, an old modular synthesizer as well as a sampler. The booklet gives the suggestion that the music is more or less improvised, but I doubt this -- the tracks and especially the progression of sounds are too well-thought-out to be improvised. The record starts with the quiet "Nachtmusik": Soft, apparently rhythmless sound clouds come in and float away, permanently changing, as if there had been the morphing effect already at that time. They must have prepared this very carefully. The track reminds to "Plas" from the Cluster II album, but the sounds are more fluid and less harsh here. The second track, "Just Another Dream", is a bit more edgy. Also here are no recognizable rhythms, but the sounds are harder, more metallic, more demanding; sometimes Master Stockhausen's "Kontakte" seems to greet from far. From time to time the track seems on the way to stop, but it goes on, sometimes with high dynamics.

Lightwave recorded a couple more albums later, the last one apparently in 2004, but I don't know any of them. One reason to release this one was the fact that the mix was done by Michel Geiss, which gave Erdenklang head Ulrich Rützel the chance to get into touch with the team around Jean Michel Jarre. But the CD also fitted perfectly into the then label concept. This CD would be becoming for a lot of today's laptop musicians, and I'm sure I will give it a spin more often from now on.


(The German version of this review was first published on Manafonistas.)

Saturday, September 19, 2015

Last 2 Days































Macy's
Downtown Pittsburgh
Sep 19, 2015